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Wusstest Du schon, Identität und Persönlichkeit

16. Mai 2009

Materialsammlung für ein weiteres rudimentor.de – Video

Identität
(aus dem lateinischen idem = derselbe, der gleiche)

Beim Menschen bezeichnet Identität die ihn von anderen Menschen unterscheidende Eigentümlichkeit des Wesens.

Bezogen auf unterscheidbare Größen, bedeutet Identität auch eine größtmögliche Übereinstimmung. Bei Ausdrücken meint Identität den gleichen Bedeutungsumfang.

Im psychologischen Sinne, versteht man die Summe der Merkmale, an denen sich ein Individuum von anderen unterscheiden lässt.

Das Identiätsparadox
Fast alle Zellen des menschlichen Körpers werden im Laufe des Lebens mehrfach ausgetauscht.
Ein Baum bleibt derselbe Baum, auch wenn ihm im Herbst die Blätter abfallen.

Werden in einem Schiff nach und nach alle Planken durch neue ersetzt, bleibt es dasselbe Schiff.
Nimmt jemand die herausgenommenen alten Planken und fügt sie alle in gleicher Richtung wieder zusammen…
…Dann wäre ohne Zweifel auch dieses Schiff, dasselbe wie das Ursprüngliche.
Wir hätten dann zwei aus sich selbst heraus identische Schiffe. Das ist absurd.

Dieses Paradox entsteht, wenn es beim Austausch von nur einer einzigen Planke immer noch dasselbe zu sein scheint. Werden aber viele kleine Veränderungen nacheinander vorgenommen, die wir einzeln vernachlässigen, folgt ein paradoxes Ergebnis.

Psychische Identität wird durch Gruppenzugehörigkeit und soziale Rollen bestimmt:
Das Wir. In westlichen Gesellschaften besteht Identität auch in der Erfahrung der Einzigartigkeit,
im Ich, Identität beruht auf Unterscheidung.
Unterscheidung ist ein Verfahren, das ein Ganzes untergliedert.
Daher kann man nur als Teil eines Ganzen Identität erlangen.

Identität entwickelt sich Wechsel von „Dazugehören“ und „Abgrenzen“.

Identifiziert sich ein Mensch mit etwas, nimmt er ein Merkmal einer Gruppe als sein eigenes Wesen an. Es bleibt stets auch ein Element der Fremdbestimmung und Zuschreibung. Migranten identifizieren sich in unterschiedlichen Umgebungen mal mit der Herkunft oder der aktuellen Heimat stärker.

Verlust der Identität
Ungewollter Identitätsverlust ist ein großes Problem.
Sämtliche Gruppenzugehörigkeiten (z. B. Familie, Volk bzw. Nation, Kollegen und Freunde, Clique) gehen verloren. Die Person wird so physisch und psychisch getrennt

Manchmal wird der Ausbruch aus einer festgelegten Identität auch positiv bewertet:
Weibliche Identität wird nicht mehr als Ideal empfunden, sondern ein fremdbestimmtes Verhaltensmuster von Erwartungen, ebenso Männlichkeit oder „nationale Identität“.
Der Ausbruch aus der Festlegung ist ein Akt der Emanzipation.
Das Ziel: Sprengung von fremdbestimmten Identitäten.

Ein Mensch verliert seine Identität, wenn er sich so verändert, dass die Merkmale wegfallen, mit denen er identifiziert wird.

Zu den wichtigsten Identitäts-Werten zählen derzeit
eine passende Arbeit und
eine harmonische Familie
auch die Mitgliedschaft in einem Verein oder allgemeine Werte wie Gesundheit definieren Identität.

Wichtig ist, dass Menschen mehrere Werte haben und aufbauen, weil ein Wegfall immer vorkommen kann.

Die Fähigkeit, sich mit sich selbst zu identifizieren, nennt man Identitätsbewusstsein.

Identität – über Sprache vermittelt.
Identität entsteht durch die Kommunikation in jeder Situation neu.
Identität ist nichts Starres, sondern verändert sich von Situation zu Situation.
Gesprächspartner tauschen über Sprache und Gestik Absichten, Wünsche und Bedürfnisse aus.
Dies geschieht über die „Umgangssprache“ die drei Funktionen erfüllen muss:

Sie muss in der Lage sein, die besonderen Erwartungen dem Gegenüber zu übersetzen (vermitteln).
Der natürliche Informationsverlust bei der Darstellung individueller Erfahrungen in einem allgemeinen Bedeutungssystem muss gering sein.

Es muss möglich sein, mit Hilfe der Umgangssprache Problemlösungen zu finden.

Die 3. Funktion ist die Möglichkeit Überschussinformationen weiterzugeben.
Sie darf nicht nur die Erwiderung auf eine vorangegangene Aussage bietet,
sondern der Sprecher muss seine besondere Einstellung zum Inhalt der Mitteilung kennzeichnen.

Erfüllt die Sprache diese drei Funktionen, so entsteht in jeder Situation neu Identität.

Das Individuum vollführt einen Balanceakt zwischen den Erwartungen und der Erkenntnis, dass man den Ansprüchen nicht genügen kann.

Durch die Unmöglichkeit den Erwartungen zu entsprechen, agiert man auf einer „als – ob – Ebene”
Man gibt nur vor die Erwartungen zu erfüllen.

Achte darauf in dem Rahmen Dich selbst zu präsentieren, um in deiner persönlichen Besonderheit akzeptiert zu werden.

Identitätsbildung ordnet die gemachten Erfahrungen mit vielen Gesprächspartnern zu einer möglichst geradlinigen Biographie.
So verschafft man sich beständige Handlungsorientierungen.
Du entwickelst eine Identität, die sich von der anderer Menschen unterscheidet.
Individuellen Identität ist das Ergebnis vieler Prozesse, die miteinander verknüpft wurden und so ein beständiges Bild vermitteln.

Hat man ein Selbstbild erworben, versucht man es beizubehalten.
So verhalten sich auch die eigenen Erwartungen und Bedürfnisse.
Immer neu kombiniert man vorangegangene Situationen mit den augenblicklichen Erwartungen und setzt sich zu dem Ganzen in Distanz.

Identität ist die Verbindung von Selbstkonzept, Selbstwertgefühl und Kontrollinstanz.

Selbstkonzept. Das Individuum entwirft ein Selbstbild von sich nach den Fragestellungen:

Wer bin ich / Was bin ich / Wie bin ich?

Der Mensch hat verschiedene Möglichkeiten vorzugehen.
Objektive Merkmale „Ich bin ziemlich klein.“
Als Selbstbewertung: Ich bin davon genervt ist.

Selbstwertgefühle sind das Empfinden stolz oder wütend auf sich zu sein.
Selbstideale steckt sich der Mensch, indem er gerne der perfekte Sohn wäre.
Selbstwertgefühl entwickelt und stabilisiert sich, durch Verdichtung von Gefühlen und Wahrnehmungen.

Man schwankt zwischen dem Gefühl die Situationen gestalten zu können und zum anderen der eigenen Lage ausgeliefert zu sein.

Identitätsdynamik, bezeichnet 4 Leistungen, die der Mensch erbringen muss, um Identität auszubilden.

Die Realitätsleistung, also das Verhältnis von Innen- und Außenperspektive.
Zuerst nimmt das Individuum die Außenwelt wahr, es eignet sich die Außenperspektive zu einer Innenperspektive an.
In einem Entwicklungsprozess vergisst, vergleicht und sortiert man diese Informationen.
Dann folgt die Darstellung des Individuums nach außen.
„Der Kreis schließt sich, durch das allmähliche Einsickern individueller Innovationen in die gesellschaftliche Ordnung.“

Die Konsistenzleistung oder Wie kann ich in unterschiedlichen Situationen immer noch der gleiche Mensch sein.
Die Kontinuitätsleistung Wie kann man heute der gleiche wie gestern oder der von vor 10 jahren sein.
Die Individualitätsleistung: Also die Aufgabe eine einzigartige, individuelle Identität auszubilden, die sich von denen anderer Menschen unterscheidet.

Geist und Identität entwickelt sich aus über Sprache : „Identität ist bei Geburt nicht vorhanden. Sie entsteht durch gesellschaftliche Erfahrung und Tätigkeit.

Vergangene Erfahrungen und Erinnerungen werden sortiert und gespeichert.
Das ergibt den Teil der Identität vom Individuum selber betrachtet werden kann.
Identität besteht aus einem Objekt und einem Subjekt, das in der Lage ist, das Objekt zu betrachten.

Das Ich löst Reaktionen aus die nicht vorhersehbar sind, nicht einmal vom Handelnden selbst.
Im Nachhinein geht diese Handlung wiederum in den Bereich des ICH über, als Erinnerungen und Erfahrungen.

Nicht alle Erfahrungen gehen dauerhaft in die Erinnerungen und somit in das ICH der Identität ein. Die Erinnerungen werden auf der „Schnur der Identität“ organisiert, der zeitlichen Einordnung der Erinnerungen in den Lebenslauf des Individuums.

Das ICH verkörpert Haltungen anderer, die man selbst einnimmt.

Aus vorangegangenen Erinnerungen erzeugt Identität neue Erinnerungen.

Gesamtidentität ist individuell, da jeder Mensch über eigene Erfahrungen verfügt:

Eine entwickelte Identität kann selbst Ihre gesellschaftlichen Erfahrungen schaffen.
Reflektive Intelligenz plant das Handeln, um innerhalb gesellschaftlicher Prozesse zu bleiben.
Der psychologische Anteil der Identität versetzt sich in die Rolle des Gegenübers und verarbeitet das gezeigte Verhalten über Sprache.

Das Denken bereitet diese gesellschaftlichen Handlungen vor.
Es dient der Übermittlung des Nicht-Gesagten, durch Mimik und Gestik.

Solche Informationen, die nicht ausgesprochen werden, hat trotzdem eine Bedeutung.
In diesem Verhalten tritt nun Identität auf.
Dem Partner wird immer nur ein Ausschnitt der Gesamtidentität präsentiert.
Kernidentität spaltet sich in verschiedene Teilidentitäten.
Verantwortlich für das Auftreten einer Teilidentität ist der gesellschaftliche Prozess.
Teilidentitäten sind an spezielle Situationen gebunden.

Voraussetzung für die Entwicklung von Identität ist Selbst-Bewusstsein.
Selbst-Bewusstsein unterscheidet sich vom normalen Bewusstsein des Menschen.
Bewusstsein ist das Empfinden von Gefühlen wie Schmerzen, oder Freude.
Dieses Bewusstsein hängt zuerst nicht mit Identität zusammen.
Selbst-Bewusstsein ordnet dieses Gefühl dem eigenen Organismus zu.
So wird der Schmerz der eigenen Identität zugeordnet.
Das Selbst-Bewusstsein ist Identitätsbewusstsein.

Wissen um die eigene Unverwechselbarkeit erzeugt das Gefühl für ein inneres Sich-Selbst-Gleichsein.

Person Identität entsteht
synonym,-„Ich bin ich.“
über den eigenen Namen,- „Ich bin Max.“
über eine Metapher – „Ich bin ein Elefant.“
über eine persönliche Eigenschaft, -. „Ich bin sportlich.“
über einen Namen für eine soziale Kategorie, – „Ich bin ein Lehrer.“
über eine bewertete Eigenschaft in einer sozialen Kategorie, – „Ich bin ein guter Lehrer.“

Identität ist ein Konstruktionsprozess, in dem Individuen eine Passung von innerer und äußerer Welt suchen und ein „Rahmenkonzept“ entwickeln, innerhalb dessen Erfahrungen interpretiert wird.

Identitätspolitik
wird von dominanten Gruppen zur Erhaltung und Änderung des Status quo benutzt.

Vorstellungen zur Gestaltung der gesellschaftlichen und staatlichen Verhältnisse bindet Menschen auf eine Norm.
Normen sind z.B.
Frau-sein, Deutsch-sein, Weiß-sein, Tolerant sein.
Diese Festschreibung führt zu ausgrenzenden Weltanschauungen und Handlungen.
Identitätspolitik der dominierten Gruppen versucht über ein „Wir-Gefühl“ Forderungen durchzusetzen.
Es geht in dominierten Gruppen darum, sich selber zu repräsentieren und dem Außen eine Selbstdefinition entgegenzusetzen.
Dies führt zu einer Politik der Abgrenzung.
Eine Art von Identitätspolitik ist positive Diskriminierung sie fordert Anerkennung, Bildungszugänge und soziale Mobilität.

Gewinnung von Erkenntnis ist sozial situiert.
Die dominierte Gruppe sei ein besserer Ort zur Erkenntnisproduktion.
Dominierte Gruppen verstehen diese Politik oft als vorübergehendes notwendiges Stadium.

Identität im Recht bezeichnet die Übereinstimmung der personenbezogenen Daten mit einer natürlichen Person.
Rechtliche Identität wird durch eine verbindliche Feststellung bestimmt.

Die Identität besteht, wenn Gleichheit mit dem amtlichen Lichtbildausweis besteht.
Dazu wird ein Personenfeststellungsverfahren vorgenommen.
Außerdem vergleicht man DNA, Biometrie, Fingerabdrücke.

Die gelungene Identität hat u. a. zur Folge, dass sie weitere Erziehungsbemühungen der Erziehenden unnötig macht.

Identität ist niemals eine feste Größe, wie der Begriff vielleicht nahe legen könnte, sondern ein dynamisches Ganzes, das stets Veränderungen unterliegt, was gleichzeitig die Stärke menschlicher Entwicklung ist.

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menschen

  1. 19. Juni 2009, 12:36 | #1

    Über das Identitätsparadox, und das Bildnis mit dem Schiff und den ausgetauschten Planken habe ich so noch nie nachgedacht, danke für die Inspiration!

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